Archivbeitrag. Diese Frage wurde im Februar 2011 in der Ratgeber-Community avioso gestellt und von einem Mitglied beantwortet. Frage und Antwort werden inhaltlich unverändert dokumentiert; Angaben entsprechen dem damaligen Stand. Die Kennungen der Beteiligten sind entfernt.
Worauf muss ich bei einem Autokauf achten?
Die Frage
„Da ich mich mit Autos überhaupt nicht auskenne, würde ich gerne wissen, was ich bei einem Autokauf zu beachten habe. Gibt es da bestimmte Regeln, die beachtet werden müssen, wenn ich eine Probefahrt mache?“
Die Antwort
Wenn Sie sich mit Autos nicht auskennen, können Sie auch nicht auf irgendetwas achten. Sie sollten zu Ihrem Autokauf eine Person Ihres Vertrauens mitnehmen, die sich mit Autos auskennt.
Ich zum Beispiel habe bei meinem ersten Auto einen Verwandten mitgenommen, dem jedes falsche Geräusch im Auto sofort ins Ohr gesprungen ist. Da der Verkäufer kein erfahrener Mechaniker war, gab es für die kleinsten Mängel einen gehörigen Preisnachlass. Diese kleinen Mängel konnte mein Begleiter dann daheim innerhalb von zwei Stunden beheben. Man kann mit dem Autokauf also auch eine Menge Geld sparen, indem man einfach jemanden Erfahrenen mitnimmt.
Einordnung: warum diese kurze Antwort so gut ist
Die Antwort tut etwas Ungewöhnliches: Sie weist die Frage zurück, bevor sie sie beantwortet. „Wenn Sie sich mit Autos nicht auskennen, können Sie auch nicht auf irgendetwas achten“ klingt schroff, ist aber die ehrlichste Aussage zum Thema Gebrauchtwagenkauf, die man treffen kann. Checklisten aus dem Internet helfen einem Laien nur begrenzt, weil das Erkennen eines Mangels Erfahrung voraussetzt und nicht eine Liste.
Statt also eine weitere Liste zu liefern, verlagert die Antwort das Problem: Nicht du musst sachkundig werden, sondern jemand Sachkundiges muss mitkommen. Das ist praktisch umsetzbar und für den Anlass angemessen.
Der zweite Gedanke ist ebenso wertvoll und wird selten ausgesprochen: Ein gefundener Mangel ist nicht nur ein Warnzeichen, sondern ein Verhandlungsargument. Kleine Mängel, die für den Fachmann eine Stunde Arbeit bedeuten, schlagen sich im Preis oft deutlich stärker nieder – wer sie findet und benennt, kauft nicht nur sicherer, sondern günstiger.
Was die Antwort nicht sagt – und was heute dazugehört
Zur eigentlich gestellten Frage nach der Probefahrt sagt der Text nichts. Ergänzend gehören dazu mindestens: eine Fahrt von ausreichender Länge, damit der Motor betriebswarm wird; eine Strecke mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten statt nur um den Block; und eine Prüfung bei ausgeschaltetem Radio, damit Geräusche überhaupt hörbar sind.
Ebenfalls unerwähnt bleiben vier Punkte, die heute vor der Besichtigung stehen:
- Die Papiere. Zulassungsbescheinigung Teil I und II, gültige Hauptuntersuchung, Serviceheft und Rechnungen. Wer den Fahrzeugbrief nicht vorlegen kann, hat etwas zu erklären.
- Die Identität von Halter und Verkäufer. Beide sollten übereinstimmen; tun sie es nicht, gehört das geklärt, bevor Geld fließt.
- Die unabhängige Prüfung. Eine Gebrauchtwagenuntersuchung durch eine Prüforganisation ersetzt den kundigen Begleiter nicht, ergänzt ihn aber gut – gerade bei teureren Fahrzeugen.
- Der Unterschied zwischen privat und gewerblich. Beim Kauf von einer Privatperson kann die Gewährleistung wirksam ausgeschlossen werden, beim Händler nicht in gleichem Umfang. Das ist der wichtigste rechtliche Unterschied überhaupt und war es auch 2011 schon.
Die gesetzlichen Grundlagen zum Kaufvertrag und zur Gewährleistung stehen im Bürgerlichen Gesetzbuch, abrufbar bei gesetze-im-internet.de; praktische Hinweise zum Gebrauchtwagenkauf geben die Verbraucherzentralen.
Verwandte Fragen – zur Versicherung für Fahranfänger, zum Autokredit und zum ersten eigenen Auto – stehen im Bereich Auto, Fragen zur Absicherung unter Versicherungen.
Der Begleiter bleibt der beste Rat
Bei allen Ergänzungen, die sich seit 2011 aufdrängen, bleibt der Kern der Antwort der wirksamste Teil. Weder eine Checkliste noch ein Inseratsfilter noch ein Fahrzeughistorienbericht ersetzt jemanden, der beim Kaltstart zuhört, der weiß, wie sich ein müdes Fahrwerk anfühlt, und der einen frisch lackierten Kotflügel von einem originalen unterscheidet.
Wer niemanden kennt, der das kann, hat zwei Möglichkeiten. Die eine ist die kostenpflichtige Gebrauchtwagenuntersuchung durch eine Prüforganisation – sie kostet einen überschaubaren Betrag und ist bei jedem Fahrzeug, das mehrere tausend Euro kostet, gut angelegt. Die andere ist, einen Termin in einer freien Werkstatt zu vereinbaren und das Fahrzeug dort vorzuführen; seriöse Verkäufer haben damit kein Problem, und eine Weigerung ist bereits die Antwort.
Der zweite dauerhaft gültige Gedanke der Antwort betrifft die Verhandlung. Ein benannter Mangel verschiebt das Gespräch von „was wollen Sie dafür haben“ zu „was ist es angesichts dieser Punkte wert“. Das ist die günstigere Ausgangslage, und sie entsteht allein dadurch, dass jemand genau hingesehen hat.