Archivbeitrag. Dieser Text erschien 2013 im Blog der Ratgeber-Community avioso. Er wird hier unverändert im Inhalt dokumentiert. Zahlen, Preise und rechtliche Angaben entsprechen dem damaligen Stand.
So erhöhen Sie Ihre Überlebenschancen bei einem Flugzeugabsturz
Das Flugzeug gilt als sicherstes Verkehrsmittel, welches Reisende in kürzester Zeit von einem Ort zum anderen bringt. Die Gefahr eines tödlichen Flugzeugunglücks ist verschwindend gering, dennoch ist es wichtig, über die Sicherheitsvorkehrungen informiert zu sein. Bereits vor dem Betreten eines Flugzeuges sollte man wissen, welches Verhalten hilfreich ist.
Welche Kleidung ist für eine Flugreise geeignet?
Schon die richtige Kleidung kann helfen, die eigenen Überlebenschancen zu steigern. Am besten eignen sich lange, enganliegende Ober- und Unterteile aus Baumwolle oder Wolle. Diese können bis zu einem gewissen Grad vor Verletzungen schützen, und man bleibt nicht so leicht irgendwo hängen. Baumwolle und Wolle sind zudem nicht so leicht entzündbar.
In jedem Fall ist es ratsam, eine Jacke griffbereit zu haben und auf hohe Absätze oder offenes Schuhwerk zu verzichten.
Welcher Flugzeugsitz ist am sichersten?
Fensterplätze sind zwar sehr beliebt, doch im Falle eines Unglücks sind Sitze am Gang und in der Nähe von Ausgängen ideal. Reservieren Sie sich deshalb bereits beim Buchen Ihrer Flugreise einen Sitz am Gang, am besten im hinteren Teil des Flugzeuges. Passagiere, die im Flugzeug hinten sitzen, haben nach Auswertungen zurückliegender Unfälle eine spürbar höhere Überlebenschance.
Da Start und Landung als besonders kritische Momente gelten, sollten Sie sich schon vor dem Start merken, wie viele Sitzreihen der nächstgelegene Ausgang entfernt ist. Außerdem sollten Sie die ganze Zeit über angeschnallt bleiben.
Das richtige Verhalten im Notfall
- Versuchen Sie, so ruhig wie möglich zu bleiben.
- Folgen Sie den Anweisungen der Flugbegleiter.
- Setzen Sie zuerst Ihre eigene Sauerstoffmaske auf und helfen Sie dann anderen.
- Schützen Sie bei Feuer und Rauch Ihre Atemwege mit einem Tuch.
- Verlassen Sie das Flugzeug gesittet, aber so schnell wie möglich und ohne Gepäck.
- Halten Sie anschließend einen Sicherheitsabstand von rund 200 Metern zum Flugzeug ein.
Einordnung: was an diesem Text bemerkenswert ist
Der Beitrag beginnt mit einer Entwarnung und nicht mit einer Drohung. Das ist bei diesem Thema selten und macht ihn lesbar. Er behandelt Flugangst nicht als Irrtum, den man wegargumentieren muss, sondern nimmt sie ernst genug, um ihr etwas Handfestes entgegenzusetzen – nämlich Dinge, die man selbst tun kann. Genau das ist bei Angst wirksamer als Statistik.
Zwei der Ratschläge sind aus der Unfallforschung gut belegt und werden bis heute gegeben: die Sitzreihen bis zum nächsten Ausgang abzuzählen und das Flugzeug ohne Handgepäck zu verlassen. Der zweite Punkt ist der wichtigste des ganzen Textes: Die Evakuierung eines Verkehrsflugzeugs ist auf 90 Sekunden ausgelegt, und Passagiere, die ihr Gepäck aus den Ablagen holen, kosten allen anderen genau die Zeit, die fehlt.
Bei der Kleidung ist der Text ebenfalls auf der richtigen Spur. Natürliche Fasern schmelzen nicht auf der Haut, wie es synthetische tun können, und geschlossene, feste Schuhe sind auf einer Notrutsche und auf Trümmerteilen erheblich sinnvoller als Sandalen.
Wo der Text mit Vorsicht zu lesen ist
Die Aussage zum sichersten Sitzplatz ist die umstrittenste. Auswertungen einzelner Unfälle haben tatsächlich Unterschiede zwischen vorderen und hinteren Sitzreihen gezeigt, doch die Fallzahlen sind klein und die Unfallhergänge zu verschieden, um daraus eine allgemeine Regel zu machen. Bei einem Unfall auf der Landebahn kann die Sitzposition eine Rolle spielen; bei anderen Hergängen spielt sie keine. Die Nähe zu einem Ausgang ist dabei der besser begründete Teil des Ratschlags – nicht die Sitzreihe an sich.
Auch die Häufigkeitsangabe des Originals ist nicht überprüfbar und wurde daher hier nicht übernommen. Belastbare Zahlen zur Flugsicherheit veröffentlichen die Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit und, für Deutschland, die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung.
Der praktisch wertvollste Satz des Beitrags bleibt jedoch der einfachste: die Sicherheitsdemonstration tatsächlich anzusehen, auch beim zwanzigsten Flug. Sie dauert drei Minuten und ist der einzige Zeitpunkt, an dem man erfährt, wo in genau diesem Flugzeug die Ausgänge liegen.
Warum ein solcher Text überhaupt hilft
Flugangst lässt sich mit Wahrscheinlichkeiten kaum behandeln. Wer sich vor dem Fliegen fürchtet, weiß in der Regel bereits, dass es statistisch sicher ist, und es nützt ihm nichts. Was hilft, ist Handlungsfähigkeit: etwas zu wissen, das man selbst tun kann.
Genau darin liegt der Nutzen dieses Beitrags, unabhängig davon, wie belastbar die einzelnen Ratschläge sind. Die Ausgänge zu zählen, feste Schuhe zu tragen, angeschnallt zu bleiben – das sind kleine, kontrollierbare Handlungen. Sie verändern die Wahrscheinlichkeit eines Unglücks nicht, aber sie verändern das Gefühl, ihm ausgeliefert zu sein, und das ist bei Angst der wirksamere Hebel.