Archiv der Ratgeber-Community · 2010–2017
Feldweg zwischen abgeernteten Feldern mit Dorf und Kirchturm im Hintergrund – Landleben als Thema des Beitrags

Archivbeitrag. Dieser Text erschien 2013 im Blog der Ratgeber-Community avioso. Er wird hier unverändert im Inhalt dokumentiert. Zahlen, Preise und rechtliche Angaben entsprechen dem damaligen Stand.

Vor- und Nachteile des Landlebens

Viele Menschen ziehen das Landleben der Stadtwohnung vor. Meistens haben sie die Vor- und Nachteile genau abgewogen, um dann die für sich richtige Entscheidung zu treffen. Manchmal lassen auch berufliche oder private Gründe keine Wahl zu, und es gilt, sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren.

Viel Natur und frische Luft – die Vorteile des Landlebens

Menschen, die auf dem Land leben, profitieren von viel frischer Luft. Sie ist gut für die Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden. Ebenso erholsam finden viele Liebhaber des Landlebens die wohltuende Stille, die oft nur von Vogelgezwitscher oder einem vorbeifahrenden Trecker unterbrochen wird.

Besonders Familien mögen das Landleben, denn nirgendwo sonst haben Kinder so vielfältige Möglichkeiten, Naturräume zu entdecken und für sich zu erobern. Weder Autoverkehr noch der Mangel an geeigneten Parks und Spielplätzen hemmt die Spielfreude – Wiesen, Wald und Felder setzen dem Wunsch, Abenteuer zu erleben und sich selbst immer wieder neu auszuprobieren, keine Grenzen. Große Gärten bieten zudem Platz für Klettergerüste, Baum- und Spielhäuser. Hier kann nach Herzenslust getobt und der kindliche Bewegungsdrang ausgelebt werden.

In einer Stadtwohnung ohne Gartennutzung ist das nicht möglich. Besonders jüngere Kinder sind dort in ihrer Freizeit stark von Erwachsenen abhängig, die sie über verkehrsreiche Straßen zu den Spielplätzen oder Parkanlagen begleiten müssen.

Das Landleben bietet aber nicht nur Familien Vorteile. Auch sportlich aktive Menschen können hier ganz anders ihrem Bedürfnis nach Bewegung an frischer Luft nachgehen als in der Großstadt. Ob Laufen, Wandern oder Fahrradfahren – in ländlicher Umgebung ist dies schneller und einfacher möglich als in der Stadt.

Ältere Menschen schätzen am Landleben das intakte Gemeinwesen. Meist kennt man sich schon seit Jahrzehnten und pflegt immer noch engen Kontakt. In der Großstadt beklagen gerade ältere Menschen oft die Anonymität und das Desinteresse der Stadtmenschen an ihrem Nächsten.

Lange Wege und wenig Abwechslung – die Nachteile des Landlebens

Die Nachteile des Landlebens sind rasch aufgezählt, sollten aber nicht unterschätzt werden:

  • kaum kulturelle Angebote wie Kino oder Theater;
  • lange Wege kosten Zeit und Geld – Spritkosten und Fahrgeld summieren sich;
  • wenig Infrastruktur: schlechte Bus- und Bahnverbindungen, mangelhafte Einkaufsmöglichkeiten;
  • kaum Alternativen zum bestehenden Schul- und Kindergartenangebot;
  • Angewiesenheit auf ein oder mehrere Autos;
  • möglicherweise problematische Wasserversorgung, etwa bei der Abdeckung mit Kleinkläranlagen und deren Wartung;
  • schlechtere medizinische Versorgung – fehlende Pflegedienste, Ärzte und Apotheken.

Wichtig ist, Vor- und Nachteile des Landlebens abzuwägen und daraus die für sich richtige Entscheidung zu treffen.

Einordnung: warum gerade dieser Text so oft verlinkt wurde

Dieser Beitrag ist der am häufigsten von anderen Seiten verlinkte Text des ganzen Archivs. Das dürfte an seiner Anlage liegen: Er wirbt nicht. Texte über das Landleben neigen entweder zur Idylle – Sonnenuntergang über dem Feld, Kinder barfuß im Gras – oder zur Abrechnung. Dieser tut beides nicht. Er stellt zwei Listen nebeneinander und überlässt die Entscheidung der Leserin.

Auffällig ist außerdem, welche Nachteile genannt werden. Nicht die üblichen Klischees vom Dorfklatsch oder von der Enge, sondern durchweg strukturelle Punkte: Verkehrsanbindung, Schulwahl, Abwasser, ärztliche Versorgung. Es ist die Liste von jemandem, der tatsächlich umgezogen ist, und nicht die von jemandem, der darüber nachdenkt.

Was sich seit 2013 verändert hat

Zwei der genannten Nachteile haben sich seither deutlich verschärft, zwei entschärft.

Verschärft: die ärztliche Versorgung. Der Ärztemangel im ländlichen Raum ist seit 2013 kein drohendes, sondern ein eingetretenes Problem. Zahlreiche Hausarztsitze bleiben unbesetzt, Apotheken schließen, und Wege zu Fachärzten sind länger geworden. Wer heute aufs Land zieht, sollte diesen Punkt anders gewichten als vor zehn Jahren.

Verschärft: die Kosten der Mobilität. Die Abhängigkeit vom Auto ist geblieben, die Kosten dafür sind gestiegen. Der Punkt „lange Wege kosten Zeit und Geld“ trifft heute härter.

Entschärft: die Netzanbindung. 2013 war eine brauchbare Internetverbindung auf dem Dorf keineswegs selbstverständlich – bemerkenswerterweise erwähnt der Text sie gar nicht, obwohl sie damals ein echter Standortnachteil war. Der Breitband- und Mobilfunkausbau hat hier viel bewegt, wenn auch nicht überall.

Entschärft: der Zwang zur Anwesenheit. Die größte Veränderung ist die Ortsunabhängigkeit vieler Bürotätigkeiten. Sie hat die Rechnung für einen Teil der Haushalte umgedreht: Wer nur noch selten pendeln muss, gewichtet Platz und Ruhe anders als jemand, der täglich fährt.

Wer die Entscheidung heute trifft, findet belastbare Daten zu Infrastruktur, Erreichbarkeit und Versorgung in ländlichen Räumen beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung und beim Statistischen Bundesamt. Die im Archiv unbeantwortet gebliebene Frage Haus oder Eigentumswohnung? steht im Bereich Immobilien.

Was der Text richtig gewichtet

Bemerkenswert ist die Reihenfolge innerhalb der Vorteile. Der Beitrag beginnt nicht mit dem Preis pro Quadratmeter, sondern mit Luft, Stille und den Möglichkeiten für Kinder – und er begründet den Kinderpunkt sorgfältig, indem er die Abhängigkeit jüngerer Stadtkinder von begleitenden Erwachsenen gegenüberstellt. Das ist ein konkretes Argument und keine Stimmung.

Ebenso genau ist der Punkt zu älteren Menschen. Statt allgemein von Nachbarschaft zu sprechen, benennt der Text, worauf sie beruht: darauf, dass man einander seit Jahrzehnten kennt. Damit ist zugleich gesagt, was Zugezogene nicht erwarten dürfen – ein intaktes Gemeinwesen entsteht nicht durch den Umzug, sondern durch Zeit.