Archivbeitrag. Diese Frage wurde im Februar 2011 in der Ratgeber-Community avioso gestellt und von einem Mitglied beantwortet. Frage und Antwort werden inhaltlich unverändert dokumentiert; Preisangaben entsprechen dem damaligen Stand. Die Kennungen der Beteiligten sind entfernt.
Wie finde ich einen zuverlässigen Hundezüchter?
Die Frage
„Ich habe schon vor ein paar Tagen einen Beitrag geschrieben und mich für eine kleine Rasse entschieden. Ich habe versucht, im Internet nach einem passenden Angebot zu schauen, aber ich finde irgendwie keinen seriösen Züchter. Kennt sich jemand mit Hundezüchtern aus und kann mir eine Zucht empfehlen, bei der ich mir sicher sein kann, dass diese Menschen seriös sind?“
Die Antwort
Zuverlässige Hundezüchter zeichnen sich dadurch aus, dass sie dich vor dem Kauf erst einmal sehen wollen. Sie sind bereit, dir ihre ganze Zucht zu zeigen, und zeigen dir auch die Elterntiere. Außerdem verlangen seriöse Züchter für einen Welpen dieser Rasse einen dreistelligen Betrag im oberen Bereich – wer deutlich darunter anbietet, sollte misstrauisch machen.
Einordnung: drei Sätze, die genügen
Diese Antwort ist kurz, aber sie enthält die drei belastbarsten Erkennungsmerkmale, die es zu diesem Thema gibt – und sie enthält sie in der richtigen Reihenfolge.
Der Züchter will den Käufer sehen. Das ist das wichtigste Merkmal, weil es die Richtung der Prüfung umdreht. Ein verantwortlicher Züchter gibt einen Welpen nicht an jeden ab, der zahlt; er stellt selbst Fragen zu Wohnsituation, Arbeitszeiten, Erfahrung und Urlaubsplanung. Wer keine Fragen stellt, hat kein Interesse am weiteren Leben des Tieres.
Er zeigt die gesamte Zucht. Nicht ein Tier auf einem Parkplatz, nicht einen Welpen in der Wohnung eines Dritten, sondern die Räume, in denen die Tiere tatsächlich leben.
Er zeigt die Elterntiere. Zumindest die Mutter muss mit dem Wurf zusammen zu sehen sein. Ein Welpe ohne sichtbare Mutter ist das deutlichste Warnzeichen überhaupt.
Der vierte Punkt – der Preis als Prüfkriterium – ist ebenfalls treffend. Ein auffällig günstiger Welpe ist selten ein Schnäppchen, sondern meist ein Hinweis darauf, dass an Gesundheitsuntersuchungen, Impfungen, Aufzucht oder Haltung gespart wurde.
Warum das Thema heute noch dringlicher ist
Was 2011 als Ratschlag formuliert wurde, ist inzwischen ein ernstes Verbraucher- und Tierschutzproblem. Der illegale Welpenhandel hat seither erheblich zugenommen. Das Muster ist gleichbleibend: Anzeigen auf Kleinanzeigenportalen mit professionell wirkenden Fotos, ein Übergabeort abseits der Wohnung, Zeitdruck, ein Preis unter dem Üblichen und Papiere, die sich bei näherem Hinsehen als wertlos erweisen.
Die Tiere stammen häufig aus Massenvermehrung im Ausland, werden zu jung von der Mutter getrennt, sind unzureichend geimpft und oft bereits krank. Für die Käuferinnen und Käufer folgen daraus Tierarztkosten, die den vermeintlich gesparten Betrag um ein Vielfaches übersteigen – und im schlimmsten Fall der Verlust des Tieres nach wenigen Wochen.
Zu den Merkmalen der Antwort von 2011 kommen daher heute hinzu:
- Nie an einem neutralen Ort übernehmen. Kein Parkplatz, keine Raststätte, keine fremde Wohnung. Die Abholung findet dort statt, wo der Wurf aufgewachsen ist.
- Mindestalter beachten. Welpen dürfen erst ab einem bestimmten Alter von der Mutter getrennt und abgegeben werden.
- Papiere prüfen. Impfausweis, Kennzeichnung und – bei einem Import – die erforderlichen Gesundheitsnachweise. Bei Herkunft aus dem Ausland gelten zusätzliche Vorschriften.
- Kein Zeitdruck. „Nur heute“ und „es sind schon mehrere Interessenten da“ sind Verkaufstechniken, keine Informationen.
- Das Tierheim mitdenken. Die Frage nach der Rasse ist eine Vorentscheidung; viele passende Tiere warten bereits auf ein Zuhause.
Ausführliche Warnhinweise, Checklisten und Meldewege zum illegalen Welpenhandel veröffentlicht der Deutsche Tierschutzbund; die tierschutzrechtlichen Vorgaben verantwortet das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat.
Die vorausgehende Frage – welcher Hund überhaupt zur eigenen Lebenssituation passt – und weitere Beiträge stehen im Bereich Tiere. Was passiert, wenn ein Hund einen Schaden verursacht, wird unter Versicherungen behandelt.
Ein Nachtrag zur ursprünglichen Frage
Die Fragestellerin hatte sich bereits für eine Rasse entschieden und suchte nur noch den richtigen Anbieter. Das ist die verbreitete Reihenfolge, und sie ist nicht die beste. Die vorausgehende Frage – welcher Hund zur eigenen Wohnsituation, zu den Arbeitszeiten, zum Bewegungspensum und zur eigenen Erfahrung passt – stand in derselben Woche ebenfalls im Forum und wäre die wichtigere gewesen.
Gerade bei sehr kleinen Rassen ist das relevant, weil ihre Beliebtheit über Jahre stark gestiegen ist und mit ihr die Zahl unseriöser Anbieter. Wo die Nachfrage groß und die Aufzucht scheinbar einfach ist, entsteht ein Markt für Vermehrer. Bei mehreren beliebten Kleinrassen kommt hinzu, dass Zuchtmerkmale gesundheitliche Folgen haben können – ein verantwortlicher Züchter spricht das von sich aus an, ein Händler nicht.
Die praktische Konsequenz ist einfach: Wer keinen Züchter findet, dem er vertraut, sollte nicht den nächstbesten nehmen, sondern warten. Ein Wurf ist keine verderbliche Ware, und ein seriöser Züchter hat regelmäßig Wartelisten. Zeitdruck entsteht in diesem Geschäft fast immer auf der Verkäuferseite.