Archiv der Ratgeber-Community · 2010–2017
Elektrofahrrad mit Akku am Rahmen an einer Steinmauer – Pedelec-Technik als Thema des Beitrags

Archivbeitrag. Dieser Text erschien 2011 im Blog der Ratgeber-Community avioso. Er wird hier unverändert im Inhalt dokumentiert. Zahlen, Preise und rechtliche Angaben entsprechen dem damaligen Stand.

E-Bikes stark im Kommen

Seit dem Jahr 1992 sind E-Bikes merklich im Kommen. Vor allem Menschen, die überwiegend kurze Wege zurücklegen, greifen zum Elektrofahrrad. Durch den heutigen Stand der Technik können die aktuellen Generationen von E-Bikes bis zu hundert Kilometer fahren, bevor der Akku entladen ist. Die Batterien eines solchen Rades schaffen zudem bis zu fünfhundert Ladevorgänge.

Rechtslage und Technik

In Deutschland unterliegen Elektrofahrräder weder der Schutzhelmpflicht noch der Versicherungspflicht, da sich der Antrieb dieser Fahrräder bei 25 Kilometern pro Stunde von allein abschaltet. Die Motoren werden nicht selten von einem 36-Volt-Stromspeicher mit Energie versorgt, der sich bei neueren Fahrradmodellen im Rahmen befindet und dadurch nicht zu sehen ist.

Was beim Kauf zu bedenken ist

Wenn man sich ein E-Bike kaufen möchte, muss man beachten, dass diese Räder zusätzlich durch die Witterung beeinflusst werden. Durch Feuchtigkeit und Kälte kann der Akkumulator beeinträchtigt werden und seine Laufzeit sich merklich vermindern.

Über ein Anzeigegerät am Lenker zeigt das Fahrrad durchgehend an, wie weit der Akkumulator noch geladen ist und wie weit sich damit ungefähr noch fahren lässt. Man sollte darauf achten, die Akkus nicht bis zur vollständigen Entleerung zu benutzen, da diese dann unter Umständen Schaden nehmen können. Angesichts des hohen Preises eines solchen Akkus sollte man sich nach den Vorgaben des Herstellers richten.

Zwei Empfehlungen der Hersteller wiederholen sich dabei immer wieder:

  • den geeigneten Unterstützungsmodus einstellen, statt dauerhaft mit der höchsten Stufe zu fahren;
  • die Batterie nach jeder längeren Tour vollständig laden.

Für wen sich ein E-Bike lohnt

Elektrofahrräder sind besonders für Personen zu empfehlen, die viel in Gebieten mit starken Steigungen unterwegs sind. Dort kann der Antrieb den Fahrer außerordentlich gut ergänzen. Auch in Gegenden mit häufigem Gegenwind kann ein Elektrofahrrad sehr hilfreich sein.

Ein ausgeprägtes Merkmal von E-Bikes ist außerdem der niedrige Einstieg, der sich insbesondere an die ältere Generation richten soll – denn diese sind die Hauptbenutzer des E-Bikes. Man kann somit sagen, dass Elektrofahrräder ihre Vor- und Nachteile haben. Sie sind vor allem für ältere Personen zu empfehlen, da sie diese besonders an Steigungen deutlich entlasten. Jüngere Personen sollten sich hingegen überlegen, ob sie ein E-Bike wirklich brauchen.

Einordnung: ein Text genau an der Kippe

Dieser Beitrag ist aus heutiger Sicht vor allem deshalb interessant, weil er im Moment des Umbruchs geschrieben wurde. 2011 war das Elektrofahrrad in Deutschland noch ein Nischenprodukt und wurde fast ausschließlich als Hilfsmittel für ältere Menschen gedacht – der Text sagt das auch so und rät jüngeren Leuten sogar ausdrücklich ab.

Genau diese Einschätzung ist überholt worden. Aus dem Seniorenrad wurde ein Massenprodukt für alle Altersgruppen: Pendlerräder, Lastenräder für Familien, Mountainbikes mit Motor. Der Absatz von Elektrofahrrädern in Deutschland ist seit 2011 um ein Vielfaches gestiegen und macht heute einen erheblichen Teil aller verkauften Fahrräder aus. Wenige Prognosen dieses Archivs liegen so weit neben der tatsächlichen Entwicklung – und keine so sympathisch, denn der Text hat den Nutzen richtig erkannt und nur die Zielgruppe zu eng gefasst.

Was technisch heute anders ist

Die Reichweite. Die Angabe „bis zu hundert Kilometer“ war 2011 optimistisch und ist heute konservativ; moderne Akkus mit deutlich größerer Kapazität schaffen unter günstigen Bedingungen mehr, und viele Räder lassen sich mit einem zweiten Akku erweitern.

Die Ladezyklen. Fünfhundert Vollzyklen galten als üblich. Aktuelle Lithium-Ionen-Akkus erreichen in der Regel mehr, bevor die Kapazität spürbar nachlässt.

Die Ladeempfehlung. Hier ist der Text sogar überholt worden, und zwar gegenläufig: Der Rat, den Akku nach jeder Tour vollständig zu laden, stammt aus der Zeit älterer Akkutechnik. Heutige Hersteller empfehlen für die Lebensdauer eher einen mittleren Ladezustand bei längerer Lagerung. Richtig geblieben ist der Kern – Tiefentladung schadet, und Kälte kostet Reichweite.

Die Rechtslage. Die 25-km/h-Grenze für Pedelecs gilt unverändert, und mit ihr die Einordnung als Fahrrad ohne Helm- und Versicherungspflicht. Neu hinzugekommen ist die Abgrenzung zum schnelleren S-Pedelec, das bis 45 km/h unterstützt und rechtlich ein Kleinkraftrad ist – mit Versicherungskennzeichen, Helmpflicht und Führerschein. Diese Unterscheidung kannte der Text von 2011 noch nicht.

Aktuelle Informationen zu Pedelec-Recht, Kaufberatung und Sicherheit veröffentlicht der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club; die verkehrsrechtlichen Grundlagen stehen in der Straßenverkehrs-Ordnung, abrufbar bei gesetze-im-internet.de.

Die Frage eines Mitglieds, die diesen Beitrag im selben Frühjahr angestoßen haben dürfte, steht weiterhin im Archiv: Elektrofahrrad für Senioren?.

Ein Satz, der besonders gut gealtert ist

„Und wer mit dem modernen Gefährt ins Büro möchte, kommt relativ entspannt und frisch dort an.“ Der Satz steht 2011 fast beiläufig da und beschreibt genau den Grund, aus dem sich das Pedelec später durchgesetzt hat. Nicht die Sportlichkeit und nicht die Umweltbilanz haben den Ausschlag gegeben, sondern die Möglichkeit, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, ohne umziehen zu müssen.

Dass der Text diesen Gedanken hat und ihn dennoch nicht weiterverfolgt – im Schlussabsatz rät er jüngeren Menschen ausdrücklich ab –, ist die interessanteste Stelle des ganzen Beitrags. Die richtige Beobachtung war da, die Schlussfolgerung fehlte.