Archiv der Ratgeber-Community · 2010–2017
Ältere Person auf einem Tiefeinsteiger-Fahrrad von hinten auf einem Feldweg – Mobilität im Alter durch Pedelecs

Archivbeitrag. Diese Frage wurde im April 2011 in der Ratgeber-Community avioso gestellt und von einem Mitglied beantwortet. Frage und Antwort werden inhaltlich unverändert dokumentiert; Preise, Reichweiten und technische Angaben entsprechen dem damaligen Stand. Die Kennungen der Beteiligten sind entfernt.

Elektrofahrrad für Senioren?

Die Frage

„Kann mir jemand sagen, ob Elektrofahrräder inzwischen alltagstauglich sind und auch für Senioren geeignet sind?“

Die Antwort

Elektrofahrräder sind ein Trend, der seit einigen Jahren eher unauffällig auf dem Vormarsch ist. Dabei sind sie eine höchst praktische und dabei umweltfreundliche und gesundheitsfördernde Erfindung. Vielleicht hält sie mancher für zu teuer oder für technisch kompliziert, aber das stimmt längst nicht mehr. Moderne E-Bikes kosten nur wenig mehr als ein hochwertiges gewöhnliches Rad, und die Technik hat längst ihre Kinderkrankheiten hinter sich gelassen.

Fahrspaß in jedem Alter

Besonders Senioren dürften die neue Art der Fortbewegung schätzen: Sind doch leicht Touren über 40 bis 50 Kilometer möglich, ohne sich übermäßig anzustrengen; auch Steigungen oder Gegenwind machen dem Fahrer nicht allzu viel aus.

Die Elektrofahrräder verfügen heute über platzsparende und leistungsstarke Elektromotoren, die beim sogenannten Pedelec – dem Pedal Electric Cycle – nur durch Treten des Fahrers anspringen. Eine gesunde Verbindung von Technik und Sport also, die überdies rechtliche und versicherungstechnische Konsequenzen hat: Denn das muskelkraftunterstützte Fahrzeug unterliegt keiner Steuer-, Helm- oder Versicherungspflicht, wozu auch beiträgt, dass bei 25 Kilometern pro Stunde die Unterstützung des Motors aussetzt.

Die Akkus der Räder können komfortabel abgenommen und wieder aufgeladen werden, die Reichweiten werden heute mit bis zu 80 Kilometern angegeben. Mit wenig Aufwand können so größere Strecken bewältigt werden. Und wer mit dem modernen Gefährt ins Büro möchte, kommt relativ entspannt und frisch dort an. Die Umweltfreundlichkeit der Räder versteht sich von selbst.

Die Testergebnisse von Elektrorädern

Natürlich interessieren sich Tester im Interesse der Verbraucher für die Räder; die Gesamturteile fallen positiv aus. Der Radfahrer hat ein wenig die Wahl zwischen einem sehr günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis bei normalen Ansprüchen und hochwertig ausgestatteten Rädern, deren Akkus sehr hohe Reichweiten aufweisen, die aber auch ihren Preis haben.

Wie weit man wirklich mit einer Akkuladung kommt, ist schwer zu bestimmen; die Händlerangaben sind als optimistisch einzuschätzen. Es versteht sich von selbst, dass der Akku eines Elektromotors, der je nach individuellem Fahrstil zur Unterstützung eingesetzt wird, höchst unterschiedliche Reichweiten aufweist – je nachdem, wie viel der Fahrer an Muskelkraft investiert.

Auch die Aufladung der Akkus wird mit sehr unterschiedlichen Zeiten angegeben; durch verbesserte Technologien hat sich jedoch gerade auf diesem Feld in den letzten zwei bis drei Jahren am meisten getan. Moderne Akkus werden durch Bremsenergie wenigstens teilweise aufgeladen, auch Solarzellen zur zusätzlichen Aufladeunterstützung während der Fahrt sind schon im Einsatz.

Das Elektrofahrrad ist ein modernes, praktisches Gefährt, das seinen Siegeszug noch vor sich hat.

Warum diese Antwort herausragt

Von allen Beiträgen dieses Archivs ist dieser der sorgfältigste. Er beantwortet die gestellte Frage vollständig – ja, alltagstauglich; ja, für Senioren geeignet –, aber er verkauft nichts. Drei Stellen zeigen das besonders deutlich.

Erstens nennt er den entscheidenden technischen Punkt, den viele Kaufberatungen übergehen: dass die Unterstützung bei 25 km/h endet und dass daraus die rechtliche Einordnung als Fahrrad folgt. Wer das verstanden hat, versteht, warum es keine Helm- und keine Versicherungspflicht gibt – und wird später auch verstehen, warum das für schnellere Räder nicht mehr gilt.

Zweitens widerspricht er der Werbung, statt sie zu wiederholen. „Die Händlerangaben sind als optimistisch einzuschätzen“ ist der ehrlichste Satz zum Thema Reichweite, den man 2011 schreiben konnte, und er ist es bis heute geblieben. Die Begründung stimmt ebenfalls: Reichweite ist keine Eigenschaft des Akkus allein, sondern das Ergebnis daraus, wie viel der Mensch selbst tritt.

Drittens trifft er den letzten Satz genau. Das Elektrofahrrad hatte seinen Siegeszug 2011 tatsächlich noch vor sich.

Was sich seither geändert hat

Die 25-km/h-Grenze und die daraus folgende Einordnung als Fahrrad gelten unverändert. Hinzugekommen ist eine Abgrenzung, die es 2011 in dieser Schärfe noch nicht gab: das S-Pedelec, das bis 45 km/h unterstützt, ist rechtlich ein Kleinkraftrad. Für es gelten Versicherungskennzeichen, Helmpflicht und Führerscheinpflicht, und Radwege dürfen damit in der Regel nicht befahren werden. Wer heute ein Rad kauft, sollte diesen Unterschied kennen, bevor er unterschreibt.

Bei den Reichweiten ist die Angabe „bis zu 80 Kilometer“ inzwischen konservativ. Die Kernaussage bleibt trotzdem richtig: Der Wert auf dem Prospekt und der Wert im Alltag sind zwei verschiedene Zahlen, und Kälte kostet zusätzlich.

Überholt ist die Bemerkung zur Rekuperation. Bremsenergierückgewinnung ist bei Fahrrädern die Ausnahme geblieben, weil der Ertrag im Verhältnis zum Aufwand gering ist; Solarzellen am Fahrrad haben sich gar nicht durchgesetzt. Der Fortschritt kam stattdessen aus der Zellchemie und aus deutlich besseren Motoren.

Der Punkt, der für die eigentliche Frage am wichtigsten ist, hat sich dagegen bestätigt: Für ältere Menschen ist das Pedelec ein Mittel, länger selbstständig mobil zu bleiben. Ergänzend ist heute die Sicherheitsdebatte hinzugekommen – höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten und das höhere Gewicht der Räder haben die Unfallzahlen unter älteren Radfahrenden steigen lassen. Ein Helm ist rechtlich nicht vorgeschrieben, wird aber ausdrücklich empfohlen, ebenso ein Fahrsicherheitstraining vor der ersten längeren Tour.

Aktuelle Kaufberatung, Rechtsinformationen und Sicherheitshinweise veröffentlicht der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club; Unfallzahlen und Präventionsempfehlungen der Deutsche Verkehrssicherheitsrat.

Den redaktionellen Beitrag, den dieselbe Diskussion im Sommer 2011 angestoßen hat, gibt es ebenfalls im Archiv: E-Bikes stark im Kommen.

Der Preisvergleich, der damals stimmte

„Moderne E-Bikes kosten nur wenig mehr als ein hochwertiges gewöhnliches Rad“ – dieser Satz war 2011 bereits wohlwollend und ist es geblieben. Zutreffend ist der Vergleichsmaßstab, den er wählt: nicht das Baumarktrad, sondern das hochwertige konventionelle Fahrrad. Wer ein Pedelec mit einem Rad für zweihundert Euro vergleicht, vergleicht die falschen Dinge; wer es mit einem soliden Tourenrad vergleicht, kommt der Sache näher.

Hinzuzurechnen sind allerdings Positionen, die der Text nicht nennt: der Ersatzakku nach einigen Jahren, aufwendigere Wartung an Antrieb und Bremsen sowie eine Diebstahlversicherung, die sich angesichts des Anschaffungspreises für viele lohnt. Die laufenden Kosten eines Pedelecs liegen spürbar über denen eines gewöhnlichen Rades – ein Punkt, der in Kaufberatungen bis heute gern untergeht.